Kurbelwelle auseinandergelaufen

Wenn Schäden auftreten, die in der heilen Welt der Werkstattliteratur nicht

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werner65
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Kurbelwelle auseinandergelaufen

Beitrag von werner65 »

Hallo!
Bei der demontage der Kurbelwelle(4L0) habe ich festgestellt das auf der Limaseite die Pressung beim Pleulfußlager auseindergelaufen ist.
Der Motor hat 45000 KM drauf und ist meines wissens noch nie zerlegt worden.Die letzen 20 Jahre ist das Fahrzeug nicht bewegt worden.
Kann ein schlecht gewuchtets Polrad daran schuld sein?
Irgendwo habe ich mal bei HeinerJakob gelesen das eine RD wo alles stimmt
nahezu Vibrationsfrei laufen soll,ist zwar schon über 20 Jahre her aber meine
habe ich da etwas anders in erinnung .
Vielleicht war da von anfang an etwas unwucht?
Weis wer wo man ein Polrad wuchten lassen kann?
Habe ein etwas ungutes Gefühl das Polrad wieder zu verwenden!

Mfg
werner 65
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Holliheitzer
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Beitrag von Holliheitzer »

Vielleicht wurde sie auch zu hoch gedreht (event. mal ein Rennpott verbaut ? ) . Das Polrad kann den Limastumpf echt "runterholen". Hatte ich auch schon bei der 1WW, da allerdings sehr oft sehr hohe Drehzahlen. Vielleicht ist der Pressitz auch eher "locker", das Polrad hats dann leichter.
Polräder kann man aber wuchten lassen, dann läuft das astrein sauber.


Gruß Holli
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2-Takt-Sigi
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Beitrag von 2-Takt-Sigi »

Eine solche Welle hatte ich auch schon, die wurde sicher nicht zu hoch gedreht, orig Puffe der 1WW.
Ganz vibratonsfrei glaub ich nicht, liegt in den Wellen, aber einigermassen sauber geht schon.
Welle zusammenpressen, sauber richten, Stumpfspitze sollte unter 2H liegen, u in dem Fall viell. verschweissen.
Wer wuchtet weiß ich nicht.

Gruss Sigi
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werner65
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Beitrag von werner65 »

Hallo Sigi !
Wo genau sollten höchstens 2H Spiel sein, ganz aussen nach dem Gewinde
oder in den bereich wo der Simmering ist?
Ich habe Welle in das Unterteil des Gehäuses gelegt und dann mit der Uhr auf der Polradseite in bereich des Simmerings und auf der Primärantriebsseite ganz aussen vor dem Gewindegemessen und es waren überall mindestens 5H was mich auch ein wenig viel vorgekommen ist!
Ich habe Welle jetzt zum richten gegeben und der meinte die Welle wieder zusammenpressen.
Richten und die äussern Lager tauschen!
Welcher Pressdruck sollte mindestens erforderlich sein um die Welle wieder in die Ausgangsposition zu bringen damit man sich das schweissen sparen kann.
Nun habe ich noch eine Frage zum verschweissen sollt man das Pleuellager gegen die Hitze mit nassen Lappen oder die Welle bis zum Lager in Öl tauchen schützen oder nimmt die Kurbelwange das auf ,bei MAG wird ja nicht soviel Hitze eingebracht?
Besteht die Gefahr das sich die gerichtete Welle wieder verzieht?
Und wie lang sollten die Schweisungen sein oder alles durchschweissen?
Wenn das neue Lager schon drauf ist bringt man das dann zerstörungsfrei wieder runter um zu schweisen?

Mfg
werner 65
2-Takt-Sigi
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Beitrag von 2-Takt-Sigi »

Ich leg die Welle an den mittleren Lagern auf, nicht im Gehäuse.
Und ohne die äusseren Lager.

Dann die Lagersitze messen (sollen unter 3H sein),
und den Spitz des Konus des Polrades (nicht das Gewinde), dort möglichst gegen O gehen, da das Polrad ja schwer ist u es wieder zu eiern anfängt.
Manche spannen die Welle ja mit den Spitzen in die Drehbank, ist aber nix, da man die Fehler des Gewindes mitmisst ( ist oft verklopft).

Pressdruck unter 10t, macht eh jede Presse, wichtig 0,6-0,7 Spiel am Füß, dass es ja nicht zu eng wird.

Zum verschweissen, mach ich nicht gerne, wegen dem wieder öffnen, und dem Schleifstaub!!
Sonst aber fräse ich 3 Vertiefungen, schön versetzt, u mach 3 MAG-Punkte, schön stark, u dann etwas eben schleifen, sonst stehts am Lager an, dann das Lager drauf.

Wenn das Lager schon drauf ist kann man es schon mit nem Abzieher abziehen, Röhrchen auf den Stumpf u mit der Fackel schön den inneren Ring anwärmen, dann gehts oft leicht runter.

Gruss Sigi
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Kilroy
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Beitrag von Kilroy »

Ja Sigi .. genau das ist die Methode nach Yamaha-WHB.
Das sagt allerdings max. 5/100 Toleranz an jeder Stelle, aber ich halte das für die Polradseite auch für zu viel. Also je weniger desto besser. Allerdings 0 halte ich für ziemlich ausgeschlossen.
Gruß Uwe
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Hiha
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Beitrag von Hiha »

0 geht schon, hängt vom Augenmaß des Ausrichters, und von der Auflösung der Messuhr ab. :D Ich nehm lieber Taster mit Hundertstelskala, denn mit Tausendstel wirds schon ganz schön unmöglich ..

Gruß
Hans
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Beitrag von Kilroy »

An einer Stelle die "0" ja, aber an allen 4 Stellen wohl kaum.
Vorzugsweise außen die kleinere Toleranz.
Übrigens, gemessen wird eigentlich mit montierten Lagern und nicht wie Sigi Sagt ohne die Lager. Man kann das sicher auch ohne machen, aber ich glaube anschließend sollte man zur Sicherheit nochmal mit montierten Lagern messen.
Gemessen wird jeweils am äußeren Lager auf der Lagerschale und am Stumpf an der äußersten Stelle vor dem Gewinde.
Zwischen Spitzen wird laut WHB nur die Durchbiegung der Welle gemessen.
Gruß Uwe
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Holliheitzer
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Beitrag von Holliheitzer »

Scholtis hat meine Wellen mit und ohne Lager gemessen, ich war immer dabei = null Unterschied. Egal ob gebrauchte oder neue Lager.
0 hatten wir auch schon,auch aus USA. Aber natürlich nur auf einer Seite. Bis 3/100 ist gerade noch OK finde ich, besser ist natürlich weniger.

Für mich bleibt dann auch immer noch die Frage,was die Welle nach dem Einbau macht. Da die Gehäuse ja auch nicht unbedingt suuuper gerade sind oder mancheiner die Welle noch verspannt/unsauber einbaut, kann sich eine 0 Welle womöglich wieder verschlechtern.

Gruß Holli
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2-Takt-Sigi
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Beitrag von 2-Takt-Sigi »

Liebe Leute, O gibts nicht in der Mechanik, soviel steht fest.
Darum schrub ich auch --gegen O.
Und vorher --unter 2H, was ja fast dasselbe ist.
Und auch nicht überall, sondern die Spitze.

OK?

Gruss Sigi
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Heiner Jakob
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Typischer RD-Schaden

Beitrag von Heiner Jakob »

Die RD-Kurbelwellen begannen erst mit Einführung der E-Zündung auseinanderzulaufen. Schlimm betroffen waren die RD 400 (Typ 2R9). Von den vielen 400er Motoren, die bei mir über die Werkbank gegangen sind, war keine ohne diesen Schaden. Motoren mit Kontaktzündung hatte ich keine mit weggewanderter Hubscheibe.

Es genügen der geringste Schlag und die kleinste Unwucht am Polrad, um die Welle zu ruinieren. Die Schwingungen zerstören die Pressung, die Bohrung weitet sich auf, ferner zerschlägt es den Hauptlagersitz, meistens auf 0,05 mm Untermaß.

Bei der letzten Demontage eines solchen Motors vor wenigen Wochen war am Polrad zunächst keine Klauenabzieherattacke zu sehen. Erst bei genauer Untersuchung zeigten sich minimale Abdrücke. Zwischen Spitzen ergaben sich ein Polrad-Seitenschlag an der bearbeiteten Bördelung von 0,15 mm und eine Ovalität von 0,05 mm. Auf den Schneiden zeigte sich eine klare Unwucht. Diese mit dem Auge nicht wahrnehmbaren Beschädigungen hatten genügt, den Hauptlagersitz zu zertrümmern, die Pressung aufzuweiten und die linke Kurbelwellenwange bis zum Anschlag am Gehäuse auseinanderzutreiben.

Laut meiner "Buchführung" von über 100 zerlegten RD-Motoren mit Polrad hatten 60 Prozent eine auseinandergelaufene Kurbelwelle. Es gab keinen Unterschied zwischen 250 und 350 ccm, gedrosselt oder ungedrosselt.

Hoeckle- und Colletwellen laufen offensichtlich nicht auseinander. Mir ist kein Fall bekannt. Diese Wellen verfügen über eine höhere Masse, festere Presssitze und sind insgesamt sehr viel aufwändiger konstruiert und gefertigt.

Im Vergleich zu Kurbelwellen aus deutscher Produktion schneiden die japanischen Zweitakterwellen schlecht ab. Ob Kawasaki, Yamaha oder Suzuki macht keinen Unterschied. Die Wellen sind zu weich gepresst und zu labil. Eine 50er Kreidler-Florett-Welle zum Beispiel benötigt für den Hubzapfen die doppelte Presskraft einer RD und ist deutlich weniger "plastisch" verformbar. Man kann eine RD-Welle mit der bloßen Hand im Hundertstelbereich elastisch verformen, wenn man die Hubscheiben mit den Fingern zusammendrückt. Das geht mit besagter Florettwelle nicht.

Meiner Meinung nach ist eine Mehrzahl von Ursachen für das Auseinanderlaufen verantwortlich. Es ist ein Zusammenspiel zwischen ungünstiger Konstruktion, mäßigem Material, zu geringer Pressung, Materialermüdung und Montagefehlern. Wenn dann noch Gewalteinwirkung, falsches Abziehwerkzeug und Überdrehzahlen hinzu kommen, ist das Versagen der Wellen programmiert.

Die RD400-Wellen laufen nicht auseinander, wenn man den Motor konsequent unter 8000 U/min fährt. Ein einziger Verschalter genügt, um die linke Hubscheibe nach außen zu treiben. Bei der LC würde ich das als eine Art labiles Gleichgewicht beschreiben: Solange alles perfekt rund läuft, funktioniert es. Die geringste Polradunwucht und jede Dejustierung der Kurbelwelle hauen das System auseinander. Es sind stählerne Mimosen, denen man nur mit sehr viel Sorgfalt beikommt.

Was das Verschweißen anbelangt: Die angeblich feinjustierten Wellen aus Amiland, die ich zum Richten bekam, weil sie doch nicht so gut rund liefen, hatten alle einen gewaltigen Schlag, so um die 0,1 bis 0,15 mm, der auch nicht wirklich wegzubekommen war. Das ist für mich keine Lösung, unterste Schublade Landmaschinenniveau.

Von Loctite gibt es ein Mittel zur Steigerung der Festigkeit von Presssitzen. Das Problem: Man muss die Welle sehr präzise Pressen, da das Zeitfenster zum Feinjustieren mit dem Kupferhämmerchen sehr klein ist. In der Tat wird die Pressung fester. Das Losbrechmoment beim Zerlegen verdoppelt sich in etwa. Die Empfehlung kam vom Loctite-Anwendungszentrum in München. Ich habe einige Wellen mit dem Mittel gefügt, es dann aber wieder sein gelassen, weil sich das Problem auch mit Sorgfalt bei der Montage und Gefühl in der Gashand lösen lässt.
Zuletzt geändert von Heiner Jakob am Fr 19. Apr 2013, 15:35, insgesamt 2-mal geändert.
manicmecanic

Beitrag von manicmecanic »

Wenn man sich die wellen nebeneinander ansieht fällt auch gleich der viel längere stumpf der cdi welle auf...der längere hebel mit dem nicht gerade leichten polrad...
geht mir wie Heiner...ich habe in den alten zeiten massig rds zerlegt und NIE an den alten kurbelwellen so nen schaden gehabt...nur lagerverschleiß und ab und zu mal wenn wer mit verschlissenen lagern zulange rumsägte zusätzlich noch lockere gewichte in der welle

Gruß Richard
2-Takt-Sigi
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Beitrag von 2-Takt-Sigi »

Ich hab 3 neue Vito Wellen liegen u die sind alle unter 3H.
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