Wie wird eigentlich ein Zylinder gebohrt?

Wenn Schäden auftreten, die in der heilen Welt der Werkstattliteratur nicht

vorkommen, ist guter Rat nicht teuer - Du findest ihn hier.

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Frank Beelitz
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Wie wird eigentlich ein Zylinder gebohrt?

Beitrag von Frank Beelitz »

Moin
Eigentlich ist meine Frage ja leicht zu beantworten.
Den Zylinder auf den Fussboden gestellt, mit den Füssen festgehalten und mit ner Black&Decker und nem 64er Bohrer + Übermass mit dem Schlagwerk durchgedrückt.
Ja ne, nicht wirklich.
:-)
Angenommen man hat einen Zylinder mit einem Fresser.
Wie wäre es richtig?
Bohren bis die Scharte weg ist,
Messen und den nächst grösseren Kolben bestellen
Nach den Werten des Kolbens bohren, schleiffen usw.

Gesagt wird ja sonst immer das erst der Kolben bestellt wird und dann gebohrt..... das kann bei grösseren Schäden ja nicht richtig sein.
Gruss Frank
4L0 Bj. 80 Läuft
phoenix
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Beitrag von phoenix »

so einfach geht das nicht. Die Zylinder werden auf einem Bohrwerk bearbeitet, wo sie ganz genau ausgerichtet werden. Nach dem Bohren kommt noch das Hohnen.
Manche Hersteller fertigen ihre Kolben auf Nullmaß (64mm) und geben das Einbauspiel beim Bohren mit dazu und andere bohren die Zylinder auf Null und dann bekommen die Kolben die Einbautoleranz verpasst.

Gruß phoenix, der hofft, es gut erklärt zuhaben.
Martin B.Bj.41
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phoenix
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Beitrag von phoenix »

Doppelpost gelöscht
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Martin B.Bj.41
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StVOnix
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Beitrag von StVOnix »

Das bezieht sich aber auf die Produktion. Da ist das ein bisschen anders.
In der Produktion haben die palettenweise vermessene Kolben zu stehen und suchen nach den Zylindern die maßhaltigsten Kolben raus. In der Instandsetzung muss man sich gezwungendermaßen nach den Kolben richten.

Gruß
Rene
moin

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Frank Beelitz
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Beitrag von Frank Beelitz »

phoenix hat geschrieben:so einfach geht das nicht.
Ich weiss....
Die Zylinder werden auf einem Bohrwerk bearbeitet, wo sie ganz genau ausgerichtet werden. Nach dem Bohren kommt noch das Hohnen.
Manche Hersteller fertigen ihre Kolben auf Nullmaß (64mm) und geben das Einbauspiel beim Bohren mit dazu und andere bohren die Zylinder auf Null und dann bekommen die Kolben die Einbautoleranz verpasst.

Gruß phoenix, der hofft, es gut erklärt zuhaben.
Im Prinzip ist mir das bekannt.
Wenn ein Zylinder eine richtig tiefe Scharte hat, kann der Durchmesser für den zukünftigen Kolben nicht gemessen werden, solange bis die tiefe Scharte ausgebohrt ist.

Ich HATTE vor zig Jahren einen richtig tiefen Fresser an einer Honda CB 400N 43 PS.
Es wurden die Kolben von der Firma bestellt und danach die Zylinder zum bohren gegeben.
Das Ergebnis waren Übermasskolben 1 Nummer kleiner, als der Zylinder gebohrt wurde.
Natürlich incl. Leistungs und Ölverlust.
Wie wird sowas also von einer vernünftigen Werkstatt gemacht?
Wie oben von mir beschrieben? Oder nach Schnauze das nächste Übermass kaufen und bohren und sich wundern wenns nicht passt?
Gruss Frank
4L0 Bj. 80 Läuft
phoenix
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Beitrag von phoenix »

meine Beschreibung bezieht sich auf die Verfahrensweise bei uns in der Zylinderschleiferei, in der ich mal arbeitete. Für meine RD-Zylinder habe ich mir die Übermaßkolben selbst besorgen müssen, da das die Zylinderschleiferei in Reichenbach und Bürgel ablehnten. Wenn die Riefen so tief sind, daß es keine Übermaßkolben mehr gibt, muß eine neue Laufbüchse eingezogen werden. Dazu wird die alte Laufbüchse bis auf einen Rest ausgebohrt und nach Einarbeiten der Fenster in den Zylinder eingepreßt.

Gruß phoenix
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Franz65
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Zylinder bohren

Beitrag von Franz65 »

Servus Frank


Auch wenn nur ein Zylinder einen Fresser hat, sollte man dann doch beide Zylinder auf die gleiche Größe schleifen lassen!

Bei mir war es so. Ich hab die Zylinder in die Werkstatt gebracht, der hat sie sich angeschaut und gemessen, "ich hatte da schon das zweite Übermaß, also 64,50mm, und nur im linken Zylinder einen Schaden" er meinte dann nach genauem Vermessen, das er sie auf 65mm aufbohren muss, also hab ich dann bei Yambits zwei Kolben mit 64,94mm bestellt.

Als die Kolben dann da waren, hab ich sie ihm gebracht, er hat sie dann nochmal genau gemessen, ob auch alles passt, und dann hat er die Zylinder auf 65,00mm gebohrt und gehont, und natürlich die Kanten im Zylinder angefast.

Kosten 120 Euro.

So passt es dann auch, und alles andere wäre etwas komisch!



Gruß Franz
2-Takt-Sigi
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Beitrag von 2-Takt-Sigi »

Wurde hier schon mal beschrieben, komisch ist es viell., macht aber nix, hab mal gewogen, der Unterschied ist sehr klein.

Und unnötig aufbohren ist schade, das nächste mal haste was auf der anderen Seite dann passts wieder.

Gruss Sigi
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs gänzlich ungeniert!
xj6-andi
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Beitrag von xj6-andi »

2-Takt-Sigi hat geschrieben: Und unnötig aufbohren ist schade, das nächste mal haste was auf der anderen Seite dann passts wieder.

Gruss Sigi
Du kaufst dir doch ein Paar neue Schuhe wenn einer kaputt ist - oder ???

Die geringen Mehrkosten sind doch das wenigste bei einer RD !!! :wink:
Gruß

Andi

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manicmecanic

Beitrag von manicmecanic »

also zumindest bei den alten sägen-bis lc merkt man nix davon wenn unterschiedliche kolbengrößen verbaut wurden...
2-Takt-Sigi
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Beitrag von 2-Takt-Sigi »

Kam wohl nicht klar rüber:

Warum unnötig bohren, Zylinderwand wird dünner u die Zylis rarer.

Gruss Sigi
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